Bauherrin Cornelia Frobese und ihre
Architekten Ulrike und Jan Steffen
strahlen: Der Neubau ist gelungen und
bietet viel Raum für Licht, Luft und Emotionen.
Wohn- und Geschäftshaus

Schöner Wohnen im Gerber-Viertel

Mitten in der Calenberger Neustadt ist ein Neubau an der Andertenschen Wiese 14 entstanden, der seinesgleichen an Charme und Subtilität sucht, sowohl Großzügigkeit atmet als auch die klare Absicht zeigt nicht aufzufallen, sondern sich in den Stadtteil zu integrieren.

So genehmigten denn auch alle Nachbarn gern die ambitionierten Baupläne. Dirk Frobese, der sein Büro zuvor in der Brühlstraße hatte, wollte bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück für seine Familie unbedingt im romantischen Gerberviertel bleiben. ...

Architektonischer Kontrapunkt

Zwar fällt der Bau auf den ersten Blick nicht auf, aber Fußgänger bemerken dennoch die in Hannover nicht gerade häufig anzutreffende sensible und dennoch weitläufige Architektur, betrachten die mit Lärchenholzlamellen (abends angestrahlt) versehenen Fenster im Erdgeschoss, die geräumige Dachterrasse mit mediterranem Flair und freuen sich an der Bereicherung ihrer Quartiers, das gemeinsam mit dem postmodernen VolkbankMehrfamilienwohnbau und dem Gundlach-Komplex im Leinebogen dem eher finsteren DGB-Bau in der Dreyerstraße einen hellen, freundlichen sehr persönlichen architektonischen Kontrapunkt setzt.

Die einzelnen Funktionsbereiche des Hauses lassen sich von außen an der Fassade gut ablesen. Der Baukörper ist mit seinen Vor- und Rücksprüngen, den beiden Erkern mit den beiden herausgezogenen Badezimmern, dem kleinen, aber markanten Dachüberstand und der geschützten Dachterrasse stark gegliedert und lebendig. Der Weiße Putz, die dunkel lasierten Fenster und das unbehandelte Lärchenholz als wiederkehrende Elemente strahlen Ruhe aus
Das dort früher befindliche Weinhäuschen war von der Bausubstanz her marode und nicht sanierungsfähig.

Um Platz auf dem recht kleinen Grundstück zu gewinnen, gingen die Bauherren Cornelia und Dirk Frobese mit ihrem Architekturbüro Steffen in die Tiefe, was allerhand Komplikationen mit sich bringen sollte. In den schwammigen Boden musste eine Wanne eingesenkt werden, deren Installation komplizierte Maßarbeit wurde, bei dem minutiös gearbeitet werden musste, damit der sehr weiche Boden standhielt.
Zur Setzungsbegrenzung unter der tragenden Sohle wurden Aufstandspfähle eingebaut, die bis auf den Felsgrund reichen. Das im 1. Und 2. Stock an die Grenze gebaute haus hält im Erdgeschoss Abstand zu beiden Grenzen und ist hier nur auf Stützen gegründet, um die Nachbargebäude nicht zu schädigen. Der das Straßenbild prägende, große Ahorn wurde erhalten.
Aber nachdem das geschafft war konnte es richtig losgehen.
Im Erdgeschoss und einem Zwischengeschoss entstanden flexible Büroräume für die Softear-Entwicklungsfirma Frobese mit geräumiger Garage zu ebener Erde und variierbareb Arbeitsplätzen mit Teeküche. In Minutenschnelle können hier die Tische der Mitarbeiter zusammengeschoben werden, um zu konferieren. Oder aber gestapelt, wenn ein kleiner steh-empfang geplant ist. Denn der Ausblick auf den Blumen bewachsenen Innenhof entlang der Mauer zum Nachbargrundstück ist bezaubernd.
Von dort führt eine Freitreppe (Foto) in zwei Wohngeschosse, mit Blick direkt in Nachbars Garten ... . Auch hier entwarfen Dipl. Ing. Ulrike Steffen und Jan Steffen wieder ein witziges Zwischengeschoss mit kleinen, gemütlichen Kinderzimmern, so richtig gut geeignet zum Einigeln und Kissenburgenbauen, in der Mitte Bäder und ein Elternschlafzimmer, das durch wenige Oberlichter keine Gardinen braucht.

Räume voller Licht

Licht und seine Führung ist das eigentliche Hauptthema dieses Hauses. Selbst bei Regenwetter durchflutet es unaufdringlich jeden Winkel. Ulrike Steffen hat Milchglasscheiben ausgewählt, um den Korridor zwischen Wohnküche und Wohnraum sehr hell und freundlich zu gestalten, dazwischen auf Augenhöhe einige durchsichtige Scheiben, für den erwähnten Blick auf Nachbars Bäume. Milchglasscheiben auch als Schiebetüren und statt Fliesen hinter dem Koch- und Spülbereich in der riesigen, ultramodernen, aber durch den dunklen Esstisch dennoch gemütlich eingerichteten Küche.
"Mir ist diese große Küche wichtig, wo wir alle gemütlich beisammen sein können, um bei Morgensonne frühstücken, mit den Kindern, der Oma, unserem Hund Bonzo und Freunden", die Augen von Carnelia Frobese blitzen beim Reden. Gefühle haben viel Platz in diesem Haus. Hier bekommen sie Flügel. Zu den Freunden am Küchentisch gehören selbst auch das Architektenpaar Steffen selbst, die Cornelia Frobese ursprünglich in Nebenvorlesungen ihrer Studiums der Kunstgeschichte kennenlernte. Zu ihnen hatte sie Vertrauen und konnte auf diese Weise viele Wünsche realisieren, getreu dem Firmenmotto des Architekturbüros Steffen "Wir gestaltenLEBENS(T)RÄUME"

Das vielschichtige Wohn- und Bürohaus bietet in der Tat viel Lebensraum, sogar eine kleine Einliegerwohnung fürs Alter lässt sich bei Bedarf abtrennen. Es ist energetisch auf den neuesten Stand, wirkt fasst aber schon wie ein Passivhaus, lässt die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen. An manchen Stellen ist die Betrachterin auch an den Bauhaus-Stil erinnert, dann aber wieder kombiniert mit dem Charme Kaliforniens - nein falsch: - mit dem der Calenberger Neustadt im Zeitalter der Klimaveränderung.

Ingeburg Peters City - Zeitung v. 07/2007


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